Bodensee
Ärzteorchester e.V.

Mitglied im BDLO Bundesverband
Deutscher Liebhaberorchester e.V.

2013 Überlingen/Weißenau

 

 

Samstag, 09. März 2013, 20:00 Uhr, Salem College Überlingen

Sonntag, 10. März 2013, 11:00 Uhr, im Festsaal des Kloster Weißenau

 

Programm:

Franz Schubert: Ouvertüre zur „Zauberharfe“ D 644

Joh.Nep.Hummel: Konzert für Trompete und Orchester

Jos.Joachim Raff: Sinfonie Nr.4 g-moll Op.167

 

Solist: Stefan Leitner, Bayerisches Staatsorchester München

Verehrtes Publikum, wie immer erlaube ich mir, zu den Werken und Komponisten unserer Konzerte einige Erläuterungen vorzutragen, obwohl eigentlich die Sprache der Musik keiner Worte bedarf. Aber mir selbst geht es so: Wenn ich mit dem Le-ben eines Komponisten, mit seinen Vorstellungen und Ansichten auf Tuchfühlung gehe, kann ich seine Ideen, seine Musik- und Klangwelt leichter nachvollziehen, mehr verstehen und genießen.

Wir beginnen mit Fr. Schuberts Zauberharfe, einem mehrheitlich gesprochenen Ritterstück (Text Georg Hofmann, Uraufführung 19.Aug.1820 im Theater an der Wien), zu dem Schubert die Ouvertüre, eine Zwischenmusik und 6 Melodramen komponierte. Der Text des Zauberspiels ist verschollen, das Werk kann auf der Bühne also nicht mehr aufgeführt werden. Die Ouvertüre gehört heute zum Konzertrepertoire, wurde aber lange Zeit fälschlicherweise als Ouvertüre zu dem romantischen Zauberstück Rosamunde in Verbindung gebracht, dem ein ähnliches Schicksal widerfuhr.

Johann Nepomuk Hummel wurde im (damaligen) Königreich Ungarn geboren. Der Vater war an einem Militärstift Musikmeister, zog dann nach Wien und wirkte dort als Kapellmeister. Johann Nepomuk wurde von W.A.Mozart in dessen Haushalt aufgenommen, Mozart gab ihm kostenlos Klavierunterricht. Nach Konzertreisen ins Ausland heiratete Hummel eine Opernsängerin und wirkte als Pianist und Komponist u.a. in Weimar, wo er Augusta von Sachsen-Weimar, die spätere Königin von Preußen und deutsche Kaiserin im Klavierspiel unterrichtete. Hummel erwarb sich große Verdienste, indem er sich für einheitliche Urheber-rechte einsetzte. Er starb in Weimar, es gibt Denkmale in Pressburg und Weimar.

Von Bedeutung ist das Konzert Es-Dur für Trompete und Orchester, dessen erster Satz heute ein Standardwerk für Aufnahmeprüfungen und Orchestervorspie-le ist. Absolut klassisch angelegt, ist Mozarts Einfluss deutlich zu spüren. Der lange “rote Teppich” der Einleitung im Allegro lässt noch die Ehrfurcht erahnen, die auf die  Herkunft der Trompete aus dem Militär verweist. Große geschicht-liche Schlachten mit der Lenkungsfunktion der Trompetensignale lassen grüßen.- Die langsamen Sätze waren im Barock noch den Oboen überlassen worden. Seit Joseph Haydn aber die Ventiltrompete vorgestellt worden war, durfte diese nun auch die Zauberwelt langer, getragener, ausschweifender Kantilenen auskosten. Das Orchester breitet mit Achteltriolen einen Begleitteppich aus oder signalisiert vorsichtig Gegenpole – so ganz will die Oboe ihre frühere Vormachtstellung doch nicht aufgeben. Aus dieser spielerischen Gemengelage vor klassisch begründeter Harmonik baut sich so ein feines Miteinander auf.-Das Rondo kommt keck daher. Jeder bekommt den Ball, wirft ihn zurück, verirrt sich sogar von Es Dur, über es-moll nach Ges-Dur. Das ist schon fast romantisches Gefühl. Doch noch siegt das klassische Modell. Erst in seinen späteren Kompositionen wird sich Hummel stärker mit romantischen Farben beschäftigen.

Bei Wikipedia ist zu lesen: Joseph Joachim Raff war ein deutscher Komponist und Musikpädagoge schweizerischer Herkunft. Der Vater war Schulmeister nahe Zürich, eine Schulbildung für den Sohn nicht möglich, lediglich etwas Geigen-, Klavier- und Orgelspiel. “Beruflich” musste er sich also mit Gelegenheiten herumschlagen, die vom Dolmetscher bis zum Sekretär – allerdings bei Franz Liszt – reichten. Liszt ließ ihn die instrumentale Ausarbeitung seiner Orchesterwerke erledigen, was ihm viel Erfahrung einbrachte. Und so zeichnete sich eine erstaunliche Karriere ab: Anstellung bei einem Verlag in Hamburg, nebenher Lehrer für Klavier, Dozent für Harmonik, freischaffender Komponist, Berufung zum ersten Direktor am Konservatorium in Frankfurt – u.a. mit Clara Schumann als Weggefährtin. Hoch angesehen verstarb er 1882 an einem Herzinfarkt in Frankfurt. - Und nun scheinen seine Werke das gleiche Schicksal zu bekommen. Zunächst wurde es still um ihn, seine Werke fielen in Vergessenheit. Doch mit Schallplatte und CD scheint sich eine Aufwertung seines Schaffens anzubahnen. Denn seine Kompositionen zeichnen sich durch eine reiche künstlerische Anlage und Ausdruckskraft aus. Mit Geschmack hatte er es verstanden, Formen des damals verpönten Barocks und der Klassik mit dem Gedankengut seiner Zeit zu verbinden.

Raff war vielseitig und produktiv und fiel seinen Zeitgenossen durch einen scharfen Intellekt auf. Schon im ersten Satz – und ebenso im vierten, dem Schlussatz – fällt eine große breite Anlage des Geschehens auf. Die Wechsel zwischen Streichern und Bläsern, die Zusammenarbeit aller Bereiche, Farben, Formen, crescendi und Tonbindungen  werden großartige Klangaufbauten un-tergeordnet. Eines von unzähligen Beispielen: Zu scharfen, spitzen Attakken einer Bläseroffensive (tranquillo, also ruhig!) gesellt sich eine wunderschöne, gesangliche Kantilene der Violoncelli – ein Parademoment für diese Gruppe.-   Der zweite Satz verwundert. Ein Allegro. noch dazu offenbar eine Etüde für flinke Achtel. Man beachte aber die Handhabung der Bläser. Mal joggen sie mit, mal lachen sie sich fast kaputt oder stellen sich mit einem behindernden Zwischenspiel in den Weg, den Ausweichversuchen der Geigen oder deren Pizzicati lässig Paroli gebend. Dritter Satz: Thema mit Variationen. Die Vielfalt der Orchestersprache spricht für sich selbst.

Hans Jörg Walter

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27.02.2013